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Modellprojekt Schulassistenz: "Schulassistenz erleichtert Inklusion"

Das Modell der systemischen Schulassistenz sieht vor, je nach Bedarf einzelne Klassen in ausgewählten Schulen des „Gemeinsamen Lernens“ mit Schulassistenten einzusetzen. Anders als Integrationshelfer*innen begleiten Schulassistent*innen alle Kinder und unterstützen insbesondere Kinder mit individuellen Teilhabebedarfen.

Bis zum Schuljahr 2017 hatte sich bei allen Beteiligten viel Frust aufgebaut: Die Schulen und Lehrkräfte fühlten sich vielfach beim Thema „Inklusion“ in Stich gelassen. Ihnen fehlten die Ausstattung und das Personal, das Anrecht von Kindern mit Behinderung auf Inklusion befriedigend umzusetzen. Eltern waren frustriert, weil sie sich Sorgen um die optimale Betreuung ihrer Kinder machten. Und Sozial- und Jugendämter sahen sich mit einer enormen Zunahme von Anträgen auf Integrationshelfer*innen konfrontiert. Deshalb wurde das Modellprojekt „Schulassistenz“ geboren, das ab Sommer 2017 in einer ersten Testphase an zwei Grundschulen und seit Anfang des Schuljahres 2018/2019 als dreijähriges Modellprojekt an vier Grundschulen läuft.

Zielgruppe des Projektes sind Kinder mit festgestelltem Eingliederungsbedarf durch die Sozial- und / oder Jugendhilfe, die in Grundschulen des Gemeinsamen Lernens unterrichtet werden. In dem Projekt arbeiten Schulamt, Sozialamt und Jugendamt des Kreises Paderborn zusammen.

In welchem Maße ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf Hilfe im Schulalltag braucht, ist sehr unterschiedlich. Einige brauchen eine Rundumbetreuung, andere Hilfe beim sozialen Umgang mit den Mitschüler*innen und wiederum andere Kinder benötigen lediglich Unterstützung beim Gang zur Toilette. Durch diese großen Unterschiede kam es immer wieder dazu, dass manche Integrationshelfer*innen voll gefordert waren, während andere die meiste Zeit mit Warten auf den nächsten Toilettengang verbrachten. Hinzukam, dass nicht nur die Auslastung der Integrationshelfer*innen stark schwankte, sondern auch ihre Qualifikation. Von den Erzieher*innen bis zum*r 18-Jährigen, der/die ein Freiwilliges Soziales Jahr macht, war alles unter den Mitarbeiter*innen vertreten.

Wesentliche Ziele des Modellprojektes sind die Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung der Eingliederungshilfen in den Schulen. Die Schulassistent*innen sind nicht einzelnen Schüler*innen, sondern der Schule zugeordnet. Ein*e Assistent*in unterstützt mehrere Schüler*innen, wobei hier – anders als bei den Integrationshelfer*innen – nicht nur Kinder mit Behinderungen als unterstützungswürdig gezählt wurden, sondern auch Kinder mit schulischem Förderbedarf. Daher profitieren nun wesentlich mehr Kinder von der Unterstützung als zuvor.

Das Modellprojekt hat das Ziel, ein Konzept zur strukturellen Eingliederungshilfe im Zusammenwirken der Akteure, also der Schulen und ihren Eltern und Kindern, sowie der Leistungserbringer und den Sozialleistungsträgern an den Grundschulstandorten für Gemeinsames Lernen zu entwickeln, zu erproben und dauerhaft zu etablieren.

Die Ziele im Einzelnen sind:

  • Qualitätssteigerung bei der erbrachten Hilfeleistung im Sinne der inklusiven Beschulung
  • Kostenreduzierung beim Einsatz von Integrationshilfen im Rahmen von Sozial- und Jugendhilfe
  • Größere Zufriedenheit bei allen Beteiligten (Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, Eltern, Schulen, Integrationsdienste und Beschäftigte, Sozialleistungs- und Jugendhilfeträger)
  • Multiplikatoreneffekt des Modellprojektes und Übertragung auf andere Schulen/Standorte
  • Eltern werden nicht von der Schule aufgefordert, beim Jugendamt oder Sozialamt Anträge auf Eingliederungshilfe in Schulen zu stellen, es sei denn, in einem besonderen Einzelfall wird darüber vorab eine gemeinsame Vereinbarung getroffen.
  • Kinder mit Behinderung werden so in Jahrgängen und Klassen verteilt, dass in der Regel mehrere Kinder mit Handicaps von einem*r Schulassistent*in unterstützt werden.
  • Die Leistungserbringer arbeiten abgestimmt im Verbund und werden einzelnen Schulstandorten einvernehmlich zugeordnet

Projektzeitraum sind die Schuljahre 2018/19 bis 2021/22.

Das Projekt wird evaluiert: Die Evaluation läuft zurzeit (Stand: Januar 2021) und wird bis zum Ende des Modellprojekts abgeschlossen. Im Rahmen der Evaluation werden alle Beteiligten (Eltern, Kinder, Lehrkräfte, Schulassistent*innen) zu ihrer Zufriedenheit befragt. Zudem wird die Kostenentwicklung bei den Kostenträgern aus Jugend- und Sozialhilfe evaluiert. Mit der Evaluation des Modellprojektes ist das Bildungsbüro des Kreises Paderborn beauftragt.

Finanziert wird das Projekt über die Inklusionspauschale sowie die Kostenübernahme für Integrationshelfer*innen durch die Jugend- und Sozialhilfe.

Best-Practice: 
Das Modellprojekt hat sich im Kreis Paderborn als gelungen herausgestellt, da nach jetzigen Erkenntnissen so eine Steigerung der Zufriedenheit von schulischer Inklusion für und bei den Beteiligten (Eltern, Kinder, Schulassistenten und Lehrkräften) erkannt werden konnte.

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Bundesland & Region
Bundesland: 
Nordrhein-Westfalen
Landkreis/Region: 
Kreis Paderborn
Laufzeit
Laufzeit: 
Februar 2021
Stand der Information
Stand der Information: 
02.02.21