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Zusammenarbeit mit Eltern in der Pflegekinderhilfe

© Justin Peterson (auf Unsplash)

In dem von der Aktion Mensch geförderten Projekt (11/2019-05/2022) entwickelten drei freie Träger der Pflegekinderhilfe – PiB Pflegekinder in Bremen gemeinnützige GmbH, PFIFF gGmbH (Hamburg) und Wellenbrecher e. V. (Herne) – ihre spezifischen Angebote zur Zusammenarbeit mit Eltern weiter. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts erfolgte durch die Perspektive gGmbH (Bonn). Projektträger war das Kompetenzzentrum Pflegekinder e. V. (Berlin).

Zum Projekthintergrund

Die Begleitung, Beratung und Unterstützung von Eltern im Rahmen von Pflegeverhältnissen nach § 33 SGB VIII wird innerhalb der Fachszene als unzureichend wahrgenommen und gilt als entwicklungsbedürftig (vgl. Dittmann, Schäfer 2019; KVJS 2018; IGfH-Dialogforum 2018; Faltermeier 2015; Wiesner 2015; Schäfer, Petri, Pierlings 2015). Persönliche Beratungskontakte mit Eltern erfolgen insbesondere vor oder zu Beginn einer Hilfe oder aber bei krisenhaften Verläufen. Während langfristiger Pflegeverhältnisse verlieren Soziale Dienste Eltern hingegen leicht aus dem Blickfeld. Stabilisierungs- und Beratungsangebote für leibliche Eltern existieren im Anschluss an eine erfolgte Inpflegegabe eher selten. Doch auch in längerfristig angelegten Pflegeverhältnissen sind förderliche Kontaktgestaltungen und kooperierende Beteiligte ein zentrales Qualitätsmerkmal (vgl. Faltermeier 2015: 202ff.).

So war Ziel des dreijährigen Praxismodellprojekts, innovative, partizipative und beziehungserhaltende Angebote für Eltern zu entwickeln, zu erproben und zu bewerten, deren Bedürfnisse und Wünsche als relevant anzuerkennen, sowie rechtliche und pädagogische Ansprüche zu erfüllen. Dazu wurden verschiedene Formate förderlicher Kooperationsbeziehungen zwischen Eltern und Pflegeeltern überprüft, die helfen, Spannungen und Konkurrenz abzubauen und die es den Pflegekindern ermöglichen, beiden Familien einen wichtigen Stellenwert beimessen zu dürfen und so die Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen, die in Pflegefamilien leben, zu verbessern.

 

Die Schwerpunkte an den drei Modellstandorten

Die drei freien Träger PiB – Pflegekinder in Bremen gGmbH, PFIFF gGmbH in Hamburg und Wellenbrecher e.V. – Pflegekinderhilfe Die Option in Dortmund/Herne haben in dem dreijährigen Projekt konkrete Ansätze und standortspezifische Konzeptionen weiterentwickelt, die die Zusammenarbeit mit Eltern in der Pflegekinderhilfe intensivieren.

An den drei Modellstandorten wurden bereits vor Projektstart Ideen für trägerspezifische Konzepte erarbeitet, die die Zusammenarbeit mit Eltern in der Pflegekinderhilfe intensivieren sollen. Zum Projektauftakt wurden die jeweiligen Themenschwerpunkte der Standorte festgelegt:

  • Wellenbrecher e.V. – Pflegekinderhilfe Die Option in Herne/Dortmund hat sich insbesondere mit der Akquise und Vorbereitung geeigneter Pflegefamilien sowie der Entwicklung konkreter Ansätze zur Umsetzung einer Erziehungspartnerschaft beschäftigt.
  • PiB – Pflegekinder in Bremen gemeinnützige GmbH hat sich auf die Förderung konstruktiver Kooperationsbeziehungen zwischen Eltern und Pflegeeltern sowie die Evaluation und Entwicklung der Elternberatung und des Familiencafés fokussiert.
  • PFIFF gGmbH hat sich mit dem Aufbau einer Informations- und Beteiligungsstruktur von Eltern auseinandergesetzt. Im weiteren Projektverlauf wurde die Konzeptionierung und der Aufbau einer Elternberatung begonnen.

 

Der Projektrahmen

Im Rahmen von überregionalen Arbeitstreffen konnten sich die projektbeteiligten Fachkräfte über Ideen, Erfolge und Herausforderungen austauschen und als Impulse für ihre Praxis nutzen. Flankierend wurden die Praxisentwicklungsansätze weiteren Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis vorgestellt und Konsequenzen für die Pflegekinderhilfe insgesamt diskutiert.

Aus dem Anspruch und der Überzeugung heraus, dass zur Praxisentwicklung der Einbezug der Sichtweisen und Erfahrungen von Adressat*innen gehört, wurden Eltern, Pflegeeltern sowie Kinder und Jugendliche im Rahmen von Datenerhebungen an dem Projekt beteiligt. So erfolgte eine systematische Erhebung der Sichtweisen von Eltern, Pflegeeltern und Pflegekindern sowie von Fachkräften der Modellstandorte in Form von Interviews, Gruppendiskussionen und Teilnehmenden Beobachtungen, um ein multiperspektivisches Bild der jeweiligen Praxis zu erstellen. Die anschließende Auswertung und Aufbereitung von Ergebnissen dienten der konzeptionellen Weiterentwicklung.

 

Projektzeitraum

Das ursprünglich auf zwei Jahre (2019-2021) angesetzte Projekt konnte im Rahmen der Förderung von Aktion Mensch „Erfolgreich weiter!“ verlängert werden (bis Mai 2022).

Finanzierung

Das Projekt hat ein Gesamtbudget in Höhe von rd. 350.000 EUR und wurde finanziert durch die Aktion Mensch. Ein Eigenanteil in Höhe von rd. 90.000 EUR wurde von den beteiligten Trägern gemeinsam übernommen.

 

Projektergebnisse

In dem letzten Projektjahr wurden die partizipativen und beziehungserhaltenden Angebote für Eltern gemeinsam mit den drei Modellträgern weiter konturiert, verstetigt und evaluiert sowie praxistaugliche Impulsmaterialien für einen erfolgreichen Transfer in andere Fachdienste ausgearbeitet. Entstanden sind u.a.

  • thematisch fokussierte Infoblätter,
  • ein 4-teiliger Podcast,
  • Wegweiser und Informationsmaterialien für Eltern und Pflegeeltern,
  • sowie erklärende Kurzfilme.

Dadurch konnte die Nachhaltigkeit an den Standorten erhöht und die Ergebnisse durch insgesamt drei digitale Fachveranstaltungen in die breite Fachöffentlichkeit getragen werden.

Zur Absicherung eines dauerhaften und niedrigschwelligen Zugangs für Fachkräfte und Interessierte wurde ein interaktives Plakat erstellt, auf dem alle Produkte verlinkt sind, die im Rahmen der Projektlaufzeit (weiter)entwickelt wurden:

 

Ausblick

Zur nachhaltigen Nutzbarmachung der Projekterkenntnisse und erarbeiteten Materialien entwickelten das Kompetenzzentrum Pflegekinder e. V. und das Perspektive-Institut gemeinsam eine modulare Online-Fortbildung für Fachkräfte der Pflegekinderhilfe zum stärkeren Einbezug und zur Beteiligung von Eltern, welche ab Herbst bundesweit angeboten werden soll (https://www.perspektive-institut.de/wp-content/uploads/2022/05/31_Fortbildungsreihe_Pflegekinderhilfe-Perspektive-Institut-Bonn.pdf).

 

Best-Practice: 
Das Projekt bot den beteiligten freien Trägern die Möglichkeit, ihre Ansätze zur Zusammenarbeit weiterzuentwickeln und konzeptionell zu verankern. Durch den systematischen Einbezug der Erlebensperspektiven von Eltern, jungen Menschen und Pflegeeltern in Form von Interviews, Gruppendiskussionen und Teilnehmenden Beobachtungen konnte ein multiperspektivisches Bild der jeweiligen Praxis erstellt werden. Die anschließende Auswertung und Aufbereitung von Ergebnissen flossen in die konzeptionelle Weiterentwicklung der Praxis der freien Träger ein. Aus den Schwerpunktthemen der projektbeteiligten Träger und den empirischen Erkenntnissen ließen sich Empfehlungen ableiten, die über das Projekt hinaus für Fachkräfte Sozialer Dienste bei der Zusammenarbeit mit Eltern in der Pflegekinderhilfe sinnvoll und nützlich sein können. Die Situation von Kindern und Jugendlichen, die in Pflegefamilien leben, kann aus unserer Sicht deutlich verbessert werden, wenn es gelingt, die Zusammenarbeit mit Eltern in der Pflegekinderhilfe weiterzuentwickeln und so Loyalitätskonflikte abzumildern bzw. im besten Fall zu verhindern. In dem 2021 veröffentlichten Abschlussbericht „Zusammenarbeit mit Eltern in der Pflegekinderhilfe. Praxiskonzepte aufbauen, etablieren, weiterentwickeln“ sind die Projektergebnisse sowie eindrückliche Zitate aus den Interviews und Gruppendiskussionen mit Adressat*innen beschrieben (https://www.perspektive-institut.de/wp-content/uploads/2022/05/08_Abschlussbericht-Zusammenarbeit-mit-Eltern-in-der-PKH_Perspektive-Verlag_2021_Pflegekinderhilfe-Perspektive-Institut-Bonn.pdf).

© Petra Gremmelspacher

Vertikale Reiter

Metainfo

Bundesland & Region
Bundesland: 
Berlin
Landkreis/Region: 
Bremen, Hamburg und Herne; Standort des Projektträgers ist Berlin; Standort der wissenschaftlichen Begleitung ist Bonn.
Laufzeit
Laufzeit: 
März 2019 bis Mai 2022
Stand der Information
Stand der Information: 
19.07.22