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Veranstaltungsprogramm


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Mittwoch, 01. Juli 2020

10.30 Uhr

Ankommen im Difu, Austausch mit Kolleg*innen

11.00 Uhr

Eröffnung

Kerstin Landua,
Projektleiterin Dialogforum „Bund trifft kommunale Praxis“, Deutsches Institut für Urbanistik, Berlin

 

Moderation:

Johannes Horn,
Leiter des Jugendamtes Düsseldorf, Sprecher der Konferenz der Leiter/innen der Großstadtjugendämter des Deutschen Städtetages

11.30 Uhr

Realitäten abbilden? Realitäten verändern? Realitäten (anders) gestalten?
Befunde aus Wissenschaft und Praxis. 3 Statements (a 20 Minuten)

 

Entwicklung der Inobhutnahmezahlen und aktueller Stand

Wie ist der aktuelle Stand der Inobhutnahmen im Längs- und Querschnitt? Wie sieht die Situation differenziert nach Unterbringungssituation zwischen Großstadt, Stadt und Land aus? Bestehen Unterschiede bei der U3 und der U6-Unterbringung?

 

Dr. Thomas Mühlmann, (Zusage: wird live zugeschaltet)

Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendhilfestatistik, Universität Dortmund

 

Ursachenanalyse in Bezug auf „Unterbringungsprobleme der Kleinstenaus Sicht der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe und der Behindertenhilfe/des Gesundheitswesens

 

Wo liegen die Probleme? Zu lange Verweildauer, lange Verfahrensdauer beim Familiengericht wegen Absicherung durch Gutachten, fehlende Anschlusshilfen, Gestaltung der Übergänge, schwierige Akquise von Unterbringungsmöglichkeiten, Settings der stationären Einrichtungen; schwierig, Pflegefamilien zu überzeugen ein Kind kurzfristig aufzunehmen, die sich ein langfristiges Pflegeverhältnis wünschen; fehlende Anschlusshilfen wegen besonderer Schädigungen oder Verhaltensweisen der Kinder (FASD, Entwicklungsstörungen, Bindungsstörungen usw. mit entsprechenden Symptomen), ausreichend freie Plätze bei Pflegefamilien, fehlende Konzepte für Geschwistergruppen mit großer Altersspanne (außer Trennung), Landesjugendamt möchte keine Kleinkinderschutzgruppe sondern lieber Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften etc., Einhaltung rechtlicher Vorgaben bei „notwendigen“ Settings wie z.B. Wohngruppen mit alternierender Betreuung, fehlendes qualifiziertes Personal …

 

Claudia Langholz, AFET-Vorsitzende, Geschäftsführerin Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie mbH, Kinder- und Jugendhilfe, Kindertagesstätten und Sozialpsychiatrie, Rendsburg

 

Rene Seiser, Dipl. Sozialpädagoge, Fachbereich Jugend und Familie der Landeshauptstadt Hannover, Kommunaler Sozialdienst/Fachplanung Erziehungshilfen Jugendamt Hannover

12.45 Uhr

Diskussion, Verifizierung und Ergänzung der benannten Aspekte im Plenum

13.15 Uhr

Mittagspause

14.00 Uhr

Realitäten abbilden! Realitäten verändern? Realitäten (anders neu) planen?
 

Prof. Dr. phil. Ute Ziegenhain,

Leiterin der Sektion „Pädagogik, Jugendhilfe, Bindungsforschung und Entwicklungspsychopathologie“, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie, Universitätsklinikum Ulm

 

Worauf es ankommt …

  • Relevanz von Bindung im frühkindlichen Alter. Was sagt die Bindungsforschung? Vor- und auch Nachteile von (zu viel) Bindung? Bindung und Rückkehr? Sollte Bindung an die Herkunftseltern das Ziel sein oder an die Betreuungsperson? Was bedeuten die Erkenntnisse für die Forderungen in Bezug auf Unterbringung von Klein(st)kindern?
  • Aus der Perspektive des Kindes: Welche Hilfestrukturen + Settings sind erforderlich?
  • Differenzierung nach „Inobhutnahme unmittelbar nachgeburtlich“ und „Inobhutnahme von Kleinkindern“ – was ist hier zu beachten?
  • Was bedeuten die Empfehlungen der Arbeitsgruppe „Kinder psychisch kranker Eltern“ für Inobhutnahmen bei der besonders betroffenen Gruppe psychisch kranker Eltern?

14.45 Uhr

Nachfragen + Diskussion

 
Übergang in die Arbeitsgruppen

(Die Arbeitsgruppendiskussion erfolgt ohne weiteren Input, da der gesamte Teilnehmerkreis aus Expert*innen besteht, soll deren Expertise hier zum Tragen kommen.)

15.00 Uhr

Veränderte Realitäten! Realitäten verändern! Realitäten (anders) gestalten?
Diskussion in drei moderierten Arbeitsgruppen

Welche qualitativen Elemente sollten bei der Inobhutnahme in verschiedenen Settings (auch mit Blick auf die Reform des SGB VIII) beachtet, verbessert und ggf. neu integriert werden?

AG 1:

„Stationäre Settings“ – Was ist richtig, was ist falsch, was ist „zumutbar“?

… stationäre Settings sind dann für die Kinder richtig, wenn Pflegefamilien im häuslichen Umfeld überfordert wären (extreme Verhaltensweisen, die nicht von einer Person ausgehalten werden können) oder wenn Kinder so schlechte Elternerfahrungen gemacht haben (Gewalt, Missbrauch) dass sie in der FBB (Familiensetting) alle Ängste und Erfahrungen auf die Betreuungspersonen übertragen und sich nicht sicher aufgehoben fühlen, sondern immer wieder getriggert werden. Und stationäres Setting bei größeren Geschwistergruppen.

 

… gibt es geeignete stationäre Settings für „Kinder mit Beeinträchtigungen“, in denen die Fachkräfte über entsprechende Vorbildung oder Vorerfahrung verfügen? Werden in der Jugendhilfe hierfür Plätze vorgehalten? Kann die erforderliche Betreuungsintensität sichergestellt werden? Wann sind Kinder mit Behinderungen mit einem großen Gruppensetting überfordert, was geht?

 

…wie sollten/müssen stationäre Hilfen insgesamt für Klein(st)kinder im besten Sinne aufgestellt sein? z.B. innenliegende Wohngruppen, Familienunterbringung etc.. Für welche Kinder ist sie geeignet? Welche Träger können unter welchen Bedingungen die Kinder versorgen?

 

Moderation: Stephan Siebenkotten-Dalhoff,

Abteilungsleiter der Sozialen Dienste im Jugendamt Düsseldorf

AG 2/AG 3:

„Bereitschafts-Pflegefamilien“ – Erfahrungswerte, Bedarfe + Erfordernisse?

Grundsätzlich sind kleine Kinder in Pflegefamilien richtig aufgehoben. Wie können Pflegeeltern gewonnen werden, z.B. auch in Migrantenfamilien oder für Kinder mit Behinderungen mit z.B. entsprechender Vorbildung oder Vorerfahrung? Warum gestaltet sich die Akquise regional so unterschiedlich? Was ist an (weiterer) Unterstützung notwendig (fachlich, finanziell...)? Gibt es fachlichen oder rechtlichen Änderungsbedarf? Wie mit der Frage der Unterbringung von unterschiedlich alten Geschwisterkindern umgehen?

 

… Eltern in der Bereitschaftspflege beklagen vielfach, dass ihnen gesundheitsrelevante Informationen über die Kinder vom Jugendamt nicht mitgeteilt werden. Dies bezieht sich manchmal auf körperliche Erkrankungen, aber auch auf psychische. Vor allem fetale Alkoholsyndrome mit Intelligenzminderungen, sowie Selbst- und Fremdgefährdung stellen Eltern in der Bereitschaftspflege vor Herausforderungen, auf die sie oftmals weder persönlich, noch fachlich vorbereitet sind. Auch traumatisierte Kinder bringen Eltern in der Bereitschaftspflege an Grenzen, wenn Traumata innerhalb der Bereitschaftspflegefamilien reinszeniert werden. Es besteht das Erfordernis: Bereitschaftspflegeeltern im Bereich der Psychoedukation/ Traumasensibilität zu qualifizieren (Aufbau realistischer Erwartungen), um einerseits Spitzenbelastungen auf Seiten der Kinder zu vermindern, und um Überforderungssituationen auf Seiten der Bereitschaftspflegeeltern im Sinne einer Abbruchprävention zu vermeiden.

 

… Überforderte Bereitschaftspflegeeltern bedauern die Belastungen in den Jugendämtern. Bisweilen warten Bereitschaftspflegeeltern in akut schwierigen Phasen im Pflegschaftsverhältnis mehrere Wochen auf eine fachliche Antwort durch das Jugendamt. Psychisch massiv auffällige und unterstützungsbedürftige Kinder erfahren dadurch dringend benötigte Hilfestellungen nicht, oder erst spät. Kinderschutz sollte nicht allein die körperliche Unversehrtheit avisieren, sondern gerade auch den Schutz der psychischen Entwicklung.

 

Geschwisterreihen – Zusammenbleiben, aber wie?

Geschwister sind vorrangig zusammen in Obhut nehmen, außer es geht eine akute Gefährdung von einem Mitglied der Geschwistergruppe aus. Auch wenn es dysfunktionale Geschwisterbeziehungen, Parentifizierung u.ä. gibt; reduziert sich dies in der Inobhutnahme-Situation durch das Zusammenbleiben der Geschwister. Gestaltung der Geschwisterbeziehungen als Teil der Diagnostik und Perspektivplanung: 2 Gruppen, aber eine Einrichtung? Trennung z.B. Pflegefamilie und Einrichtung?

 

… Eine gemeinsame Unterbringung von Geschwisterkindern, insbesondere der Jüngeren, setzt die Inobhutnahme-Einrichtungen vor ganz neue konzeptionelle und praktische Herausforderungen. Sowohl im Clearingbereich wie in der alltäglichen pädagogischen Betreuung bedarf es sehr spezifischer Ablaufprozesse und Verfahren, um den Ansprüchen der Geschwisterreihe als solche und der komplexen Binnenstruktur gerecht zu werden. Für die entsprechenden Einrichtungen entsteht der Anspruch, von Säuglings- und Kleinkindbetreuung bis zur Betreuung von Jugendlichen, Ablaufprozesse vorzuhalten.

 

Moderation: Dr. Stefan Rücker, Leiter der Forschungsgruppe Petra, Hessen; Leitung der Arbeitsgruppe Kindeswohl, Universität Bremen

16.30 Uhr
Kaffeepause

17.00 Uhr

Befunde und Veränderungsbedarfe aus der Diskussion
Gemeinsame Ergebnissicherung im Plenum

18.00 Uhr

Ende des ersten Tages

Donnerstag, 02. Juli 2020

09.00 Uhr

Neue Realitäten in der Praxis. Welche Ideen, Konzepte, Projekte gibt es?

Wie sind diese Beispiele ausgestaltet und wie wirken sie sich auf die Hilfeverläufe aus?

Beispiel 1:

Ein Träger, der ganze Familien aufnimmt …

Fredrick Näher,

Geschäftsführer, Kinder- und Jugendhilfe-Verbund Berlin-Brandenburg/KJSH-Stiftung

Beispiel 2:

Ein Geschwisterhaus im Rahmen der Inobhutnahme

PD Dr. Peter Büttner,

Geschäftsführer, Projekt Petra, Schlüchtern

Beispiel 3:

Kinderschutzfamilien für 0 bis 6jährige Kinder

Stephan Siebenkotten-Dahlhoff,

Abteilungsleiter der Sozialen Dienste im Jugendamt Düsseldorf

 

Erkenntnisgewinn aus den Best-Practice-Beispielen:

 

Offene Diskussion im Plenum nach jedem Praxisbeispiel u.a. zu folgenden Fragestellungen:

  • Wie kann eine schnellere Abklärung der Perspektiven und kurzzeitige Unterbringungen in der Bereitschaftspflege als dringendes Erfordernis erreicht werden?
  • Welches Setting scheint für welche Kinder besonders geeignet? Wo liegen jeweils die Risiken und Chancen?
  • Was sind bei den diskutierten „Settings“ wichtige Aspekte, die aus dem Blick der kommunalen Praxis mehr beachtet, weiterentwickelt und (infrastrukturell, finanziell) gestärkt werden sollten?
  • Was müsste ggf. an den Verfahren, Arbeitsweisen bzw. in der Kooperation geändert werden, insbesondere auch mit Blick auf die Behindertenhilfe?
  • Wie können Übergänge (besser) gestaltet werden und gelingen?
  • Wie kann Elternarbeit verbessert werden, damit Inobhutnahmen nicht so häufig nötig sind?
  • Wie kann Rückführung (besser, anders, überhaupt) gestaltet werden?
  • …..

 

12.15 Uhr

Ergebnissicherung aus der Diskussion in den Arbeitsgruppen und Abschlussdiskussion

  • Was sind die wichtigsten fachlichen Erkenntnisse, Vorschläge und Hinweise aus dem Diskussionsverlauf der Veranstaltung, die dem BMFSFJ zurückgemeldet werden sollen? Wo wird rechtlicher Änderungsbedarf gesehen?
  • Welche zentralen Fragestellungen sollten in einer bundesweiten Tagung zu dieser Thematik vertieft und erörtert werden?

12.45 Uhr

Mittagsimbiss und offener Ausklang der Veranstaltung