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Netzwerk Kindeswohl und Kindergesundheit / Frühe Hilfen

Um Kinder zukünftig besser zu schützen und zu fördern, beauftragte das Land Rheinland-Pfalz im Rahmen der Umsetzung des Landeskinderschutzgesetzes jede seiner 41 Kommunen mit dem Aufbau eines lokalen Netzwerks, mit der Förderung der Kindergesundheit, u.a. durch die Steigerung der Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchungen und mit der Entwicklung von Frühen Hilfen (§§ 2 – 4 LKiSchG).

1. Aufbau des Netzwerks Kindeswohl und Kindergesundheit in Speyer

Schon im September 2008 schuf die Stadt Speyer im Fachbereich Jugend, Familie, Senioren und Soziales eine halbe Stelle zur Koordination des Netzwerkes Kindeswohl und Kindergesundheit.

Nachdem die Koordinatorin im ersten Schritt alle Einrichtungen der Jugend- und Gesundheitshilfe, die mit Familien arbeiten, persönlich aufgesucht und sich vorgestellt hatte, erfolgte im zweiten Schritt die Durchführung der Netzwerkkonferenz als Auftaktveranstaltung zur Gründung des Netzwerks.

Die Konferenz fand im März 2009 mit 120 VertreterInnen der Jugend- und Gesundheitshilfe, der Beratungsstellen, der Kindertagesstätten, Schulen, Polizei und Gericht im Historischen Ratssaal der Stadt Speyer statt.

Nach einem Vortrag durch den Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des St. Annastiftskrankenhauses in Ludwigshafen zu Kindeswohlgefährdung aus kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht wurden die TeilnehmerInnen in interdisziplinären Workshops beauftragt, Aufgaben für das Netzwerk gemeinsam zu formulieren.

Die meist priorisierten Aufträge waren: der Einsatz von Familienhebammen, die Einführung von Willkommensbesuchen für Familien mit Neugeborenen und insgesamt die Entwicklung von präventiven Hilfen rund um die Geburt.

 

2. Entwicklung der Frühen Hilfen Speyer

Diesen Auftrag annehmend wurde 2009/10 in Kooperation zwischen Jugendhilfeplanung und Netzwerkkoordination ein Konzept für Frühe Hilfen entwickelt, dessen Umsetzung 2010 im Jugendhilfeausschuss und nachfolgend im Stadtrat einstimmig beschlossen wurde.

2011 konnten u.a. mit den Mitteln aus der Waisenhausstiftung der Stadt Speyer zwei Koordinationskräfte für die Frühen Hilfen, eine Hebamme und eine Dipl. - Sozialpädagogin mit je einer halben Stelle eingestellt werden, um die einzelnen Bausteine des Konzeptes Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen.

Nach einjähriger Vorbereitungszeit wurde im März 2012 die Anlaufstelle „Frühe Hilfen“ mit zwei Büros für die beiden Koordinationskräfte in unmittelbarer Nachbarschaft zum Haus der Familie K.E.K.S. e.V. eröffnet.

Durch die Einbindung in diesen Stadtteil, in dem viele Alleinerziehende, Familien mit Migrationshintergrund und von Armut bedrohte und betroffene Familien wohnen, wollte man kurze Wege insbesondere für diese Familien schaffen, um sie möglichst früh zu erreichen.

Besonders durch die Nähe zu und die enge Zusammenarbeit mit dem Haus der Familie erhielten die Frühen Hilfen leichten Zugang zu Familien mit Säuglingen und Kleinkindern. Um Eltern rund um die Geburt ebenfalls gut zu erreichen, beabsichtigten die Frühen Hilfen in Speyer das Potential der Gesundheitshilfe als Brückenbauer für sich zu nutzen und strebten schon früh eine Zusammenarbeit mit den Hebammen, Gynäkologen, Kinderärzten und der Kinder- und Geburtsklinik des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses an.

 

3. Ist-Stand

Das Netzwerk besteht weiterhin. Es findet regelmäßig zweimal im Jahr der Arbeitskreis Frühe Hilfen statt, immer zu verschiedenen Themen und in verschiedenen Institutionen. Die Netzwerkpartner nutzen oft die Gelegenheit, ihre Einrichtung vorzustellen.

Einmal im Jahr findet die Netzwerkkonferenz mit ca. 140 Teilnehmern statt. Auch hier ist immer ein anderes Thema im Fokus der Konferenz. So wird es dieses Jahr Vorträge zum Thema Kooperation von Kinder- und Jugendhilfe mit der Gesundheitshilfe geben. Eingeladen sind alle Netzwerkpartner, die in Speyer mit Familien und Kindern arbeiten (Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter, Beratungsstellen, Ärzte, Hebammen, …).

Viermal im Jahr trifft sich die AG seelische Erkrankungen rund um die Geburt, die als Unterarbeitsgruppe des AK Frühe Hilfen entstanden ist. Hier geht es speziell um die Schaffung von Angeboten für Frauen, die nach der Geburt an postnatalen Depressionen erkranken. Einiges wurde schon erreicht z. B. Kooperationen mit niedergelassenen Psychotherapeuten, die den Frauen recht schnell Termine anbieten können, oder eine Kooperation mit dem Caritas-Zentrum Speyer „Baby Blues statt Wolke 7“.

Eine weitere Aufgabe ist den Meldungen, der nicht wahrgenommenen U-Untersuchungen nachzugehen. In RLP besteht das verbindliche Einladungswesen zur Vorsorgeuntersuchung. Wird vom Arzt nicht gemeldet, dass diese stattgefunden hat, geht die Meldung zunächst an das Gesundheitsamt und dann an das Jugendamt. In den meisten Fällen stellt sich heraus, dass es vergessen wurde oder die Eltern das System ablehnen. In einigen Fällen ist aber in der Familie dann doch ein weiterer Hilfebedarf erkennbar, sodass versucht wird, eine entsprechende Weiterleitung zur entsprechenden Stelle sicherzustellen.

Die Frühen Hilfen haben dieses Jahr ihr 5-jähriges Jubiläum gefeiert. Es gibt folgende Angebote: Willkommensbesuche, Familienhebammen, Familienpatenschaften, alltagspraktische Unterstützung und Elternkurse/-angebote.

Über die Willkommensbesuche werden die Eltern im Krankenhaus und vom Standesamt informiert. Die Eltern haben die Möglichkeit, einen Termin vor Ort in der Anlaufstelle zu vereinbaren und erhalten einen Hausbesuch inkl. Geschenk (Schlafsack und Willkommensmappe). Die Besuche werden von Ehrenamtlichen oder von der Fachkraft „Frühe Hilfen“ durchgeführt.

Familienhebammen werden an Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf vor und nach der Geburt vermittelt. Ein guter Kooperationspartner ist da der „Gute Start ins Kinderleben“, ansässig am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer.

Familienpaten gehen in der Regel einmal die Woche für 1-2 h in die Familie und unterstützen diese, z.B. durch Spielen mit dem Geschwisterkind, Spazierengehen mit dem Säugling o.ä.

Alltagspraktische Hilfen werden in besonderen Fällen in Kooperation mit dem Kinderschutzbund gewährt. Der Familie wird eine Tagesmutter vermittelt, die ein paar Stunden in der Woche, auch Haushaltstätigkeiten, übernimmt.

Elternangebote gibt es momentan folgende:

Zwei Alleinerziehenden-Treffs in zwei verschieden Stadtteilen

Zwillings- und Mehrlingstreff

Gesprächsgruppe für Mütter

Café AnNa (für Schwangere und Eltern mit Säuglingen)

Mini-Gruppe (Pekip - ähnlich für ausgewählte Mütter und ihre Kinder, die an anderen Kursen nicht teilnehmen, aber Bedarfe haben)

 

Best-Practice: 
Die Frühen Hilfen Speyer sind durch die unterschiedlichen und niedrigschwelligen Bausteine so aufgestellt, dass die Koordinationskräfte der Frühen Hilfen passgenaue Angebote entsprechend des Bedarfs der jeweiligen Familie anbieten können. Durch das Netzwerk Kindeswohl und Kindergesundheit, das von der Koordinationsstelle „Frühe Hilfen“ in Personalunion fachlich begleitet wird, sind die Frühen Hilfen in dem Netzwerk der Gesundheits- und Jugendhilfe sehr gut integriert und werden von den Kooperationspartnern in Anspruch genommen. Auch die Mischung an professionellen Fach- und freiwilligen Kräften ermöglicht unterschiedliche und passende Zugänge zu den Familien. Einen niedrigschwelligen Zugang zu Familien mit Kleinkindern erhalten wir durch das Haus der Familie KEKS e.V. als enger Kooperationspartner, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Anlaufstelle „Frühe Hilfen“ sich befindet.

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Bundesland & Region
Bundesland: 
Rheinland-Pfalz
Stadt/Stadtteil: 
Speyer
Laufzeit
Laufzeit: 
September 2008
Schlagworte
Frühe Hilfen
Gesundheit
Netzwerk
Stand der Information
Stand der Information: 
23.05.17
Themenfeld
Netzwerk