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Inklusiv Unterwegs - Initiative Inklusives Kinder- und Jugendreisen NRW

Quelle:pixabay

In dem Projekt wurde ein Netzwerk aus Akteuren des Kinder- und Jugendreisens aufgebaut, das sich aus unterschiedlichen praktischen, strukturellen und theoretischen Perspektiven mit Fragen der Umsetzung und Implementierung von Inklusion im pädagogischen Kinder- und Jugendreisen beschäftigt.

„Was ist ‚Inklusion’ und was bedeutet dies für uns?“ – mit dieser Frage beschäftigen sich spätestens seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention viele Akteure der Praxis, auch im Kinder- und Jugendreisen. So unterschiedlich Trägerstrukturen und Akteure des Kinder- und Jugendreisens sind, so vielfältig sind auch die Erfahrungen mit inklusiven Kinder- und Jugendreiseangeboten und Herangehensweisen zur Entwicklung inklusiver Angebote. Der Bedarf nach einem intensiven fachlichen Austausch ist groß, jedoch existieren hierfür kaum systematische Möglichkeiten.

Das Projekt „Inklusiv Unterwegs – Initiative inklusives Kinder- und Jugendreisen in NRW“ will durch die gemeinsame Arbeit im Netzwerk

  • den unterschiedlichen Akteuren im Feld des pädagogischen Kinder- und Jugendreisens in NRW eine Plattform für den gemeinsamen und themenorientierten Austausch bieten.
  • bisherige Erfahrungen und bestehendes Wissen im Feld des inklusiven Kinder- und Jugendreisens bündeln, analysieren und systematisieren und so die Praxisentwicklung vorantreiben.
  • die unterschiedlichen Perspektiven der verschiedenen Akteure verknüpfen, übergreifende Fragestellungen identifizieren und diese gemeinsam im Netzwerk oder in kleineren Arbeitsgruppen bearbeiten.
  • den Fachdiskurs zu Inklusion im pädagogischen Kinder- und Jugendreisen weiterentwickeln und eine höhere öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema erreichen.

Das Herzstück des Projektes ist das Netzwerk, dessen Hauptbausteine Netzwerktreffen und Arbeitsgruppen bilden. Pro Jahr finden zwei eintägige Netzwerktreffen statt. Der Schwerpunkt dieser Netzwerktreffen liegt auf dem Austausch der Netzwerkmitglieder und der Identifizierung von gemeinsamen Themen und Fragestellungen. Die einzelnen Netzwerktreffen verfolgen jeweils einen inhaltlichen Schwerpunkt, den die Mitglieder des Netzwerks selbst festlegen. Darüber hinaus werden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung (s.u.) in die Netzwerktreffen zurückgespeist und diskutiert.

Innerhalb des Netzwerks bilden sich themenorientierte Arbeitsgruppen, in denen Netzwerkmitglieder in einem kleineren Kreis intensiv an spezifischen Themen und Fragestellungen arbeiten können. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden ins gesamte Netzwerk zurückgespeist und tragen so zur Weiterentwicklung des Gesamtnetzwerks bei.

Um die Arbeit des Netzwerks und seiner Mitglieder einer breiteren (Fach-)Öffentlichkeit vorzustellen, finden einmal jährlich Fachforen statt. Hier werden Themen und Arbeitsergebnisse des Netzwerks präsentiert und mit Interessierten aus Praxis und Wissenschaft diskutiert.

Die wissenschaftliche Begleitung bildet einen weiteren Strang der Initiative. Diese zielt zum Einen auf eine theoriegestützte Analyse und Beschreibung des Diskurses und die theoretische Weiterentwicklung von Begriffen und Konzepten. So werden beispielsweise die mit den Akteuren aus der Praxis geführten Diskussionen zu Begriffen wie „Partizipation“ und „Subjektorientierung“ in der Jugendarbeit und der Behindertenhilfe begleitet, analysiert und theoretisch untermauert, um eine Annäherung an ein gemeinsames Begriffsverständnis zu erreichen. Zum Anderen wird in einer empirischen Phase der Fokus auf das Geschehen während der als inklusives Angebot konzipierten Reisen gerichtet: Wie erleben die Teilnehmenden die Reisen? Welche Relevanz hat es für sie, dass bzw. ob jemand eine Behinderung hat, aus einem anderen Land kommt, einen anderen sozialen Hintergrund hat? Wie wird trotz – oder gerade wegen – wahrgenommener Unterschiede Gemeinschaft hergestellt? Diesen Fragen wird mittels teilnehmender Beobachtung und Interviews nachgegangen.

Ein Projektbeirat begleitet das Netzwerk über den gesamten Zeitraum, bringt Themen, Fragestellungen, Kontakte und Expertise in das Netzwerk ein und unterstützt die Projektverantwortlichen bei der Reflexion des gesamten Arbeitsprozesses.

Parallel zum Projekt „Inklusiv Unterwegs – Initiative Inklusives Kinder- und Jugendreisen in NRW“ bietet der Fachkräftepool Trägern und Durchführenden von inklusiven Kinder- und Jugendreiseangeboten Einzelberatungen an und begleitet sie dabei, ein „inklusives Profil“ zu entwickeln. Insgesamt wurden 20 Praxispartner aus den Bewerbungen ausgewählt, die im Laufe des Projektes fünf Beratungen erhalten. Die Beratungstermine finden vor Ort statt und können flexibel terminiert werden. Die jeweiligen Bedarfe sind so unterschiedlich wie die Praxispartner und sind stark davon abhängig, wie sehr sich die Organisationen bereits mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Unter den Praxispartnern finden sich Träger aus der Jugendarbeit sowie der Behindertenhilfe, Reiseveranstalter, Unterkünfte und Programmanbieter, aber auch kommunale Verwaltungen. Die Koordination des Fachkräftepools liegt bei transfer e.V. in Köln, anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe.

Zentrales Projektergebnis im Sinne eines Produkts wird ein Handlungskonzept zur Stärkung und Weiterentwicklung des inklusiven Kinder- und Jugendreisens sein, welches zum einen auf die Träger-, Mitarbeiter*innen- und Teamer*innenebene blickt, zum anderen aber auch die „Szene“ des inklusiven Kinder- und Jugendreisens fokussiert sowie Leitlinien zur strukturellen Weiterentwicklung des inklusiven Kinder- und Jugendreisens vorschlägt. Ziel des Handlungskonzeptes ist es, grundlegende Standards für inklusives pädagogisches Kinder- und Jugendreisen zu formulieren und auf deren Grundlage eine nachhaltige Strategie für deren Weiterentwicklung auf struktureller wie Trägerebene vorzuschlagen.

Die Abschlussveranstaltung zum Projekt findet am 13.09.2017 in Köln statt. Weitere Informationen sind auf der Website verfügbar.

(Judith Dubiski, 04.07.2017)

 

Best-Practice: 
Das Projekt Inklusiv Unterwegs - Initiative Inklusives Kinder- und Jugendreisen NRW vereint verschiedene Aktivitäten, die sich an Bedarfen aus der Praxis ausrichten. Die Förderung von Zusammenarbeit und Austausch, eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung und die individuelle Beratung können langfristig zu einer vermehrten Anzahl und einer höheren Qualität inklusiver Angebote im Kinder- und Jugendreisen führen. Das Zusammenführen der unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen zwischen Praxis und Wissenschaft an der Schnittstelle zwischen Jugendarbeit und Behindertenhilfe sowie die starke Prozessorientierung ohne vorab definierte Themen und Zielmarken waren die Grundlagen für einen offenen, konstruktiven, gewinnbringenden Austausch unter den Beteiligten, der nach Möglichkeit auch über den Projektzeitraum hinweg fortgeführt werden soll.

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