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Inklusion gelebt: Naturkindergarten Düne.

Der Naturkindergarten Düne besteht aus einer festen Kindergartengruppe, die sich jeden Werktag und bei jeder Witterung in dem Gelände am Banter See aufhält. Die Kindergartengruppe besteht aus bis zu 15 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Die Angebote im Naturareal sind sehr vielfältig und bieten allen Kindern immer wieder neue Möglichkeiten, ihre Umgebung aktiv zu gestalten und zu erforschen. Die Entdeckerzone fördert das soziale Miteinander auf „natürliche“ Weise.

Der Naturkindergarten Düne - eine inklusive Kindertagesstätte

Im Rahmen der Expo 2000 wurde ein verwildertes Areal zwischen dem Banter See und der Nordsee für die Kinderbetreuung zum „Dünenspielgarten“ hergerichtet. Im Anschluss daran nutzte die Kindertagesstätte WiKi-Südstern dieses Gelände als Außenspielplatz. Der Südstern liegt inmitten der Innenstadt von Wilhelmshaven und verfügte daher nicht über die nötige Spielfläche für die „Stadtkinder“ ihrer Einrichtung. Da die Nutzung jedoch mit viel (Fahrt)Zeit, Betreuungsaufwand und Engagement verbunden war, wurde das Areal im Sommer nur als Projekt oder Ausflugsziel und im Herbst/Winter gar nicht genutzt.

Wir standen vor der Entscheidung: Rückgabe an die Stadt oder eigenständige Einrichtung mit besonderem Konzept?

Wir entschieden uns für eine Kindertagesstätte mit Naturpädagogischem Ansatz, dem Naturkindergarten Düne.

Mit Unterstützung des Jugendamtsleiters und der zuständigen Baubehörde machten wir Pläne, wie die Umgestaltung der vorhandenen Hütten, der Wege und der eigentlichen Sanddüne gelingen kann. Die Zuständige Fachaufsicht des Landesjugendamtes war, nach Ortsbesichtigung ebenfalls begeistert und unterstützte die Naturpädagogische Konzeption in der Umsetzung. Von Beginn an, wollten wir ein Kindergarten für alle sein. Die Rahmenbedingungen wurden gemeinsam geschaffen:

  • bis zu 15 Kinder in der Gruppe
  • Altersbegrenzung 3 bis 6 Jahre
  • Drei Fachkräfte in der Gruppe
  • viel Platz
  • unterschiedliche Erfahrungsräume wie: kleiner Wald, die Sanddüne; der Deich, die Nordsee, das Watt, Hütten als Gruppenraum, Sand, Matsch, Blätter, Bäume und vieles mehr

Da wir unterjährig eröffneten, wurden anfänglich erst Kinder von zugezogenen Wilhelmshavenern Familien, die schon 5 oder 6 Jahre alt waren, aufgenommen. Ohne besondere Feststellung des Heilpädagogischen Förderbedarfes, meldeten zeitgleich auch Eltern ihre Kinder an, die mit den Rahmenbedingungen in Regeleinrichtungen nicht gut zurechtkamen und wo beobachtet werden konnte, dass die Schere der Kognitiven Fähigkeiten und der Entwicklung im Sozial/ Emotionalen Verhalten bei diesen Kindern oft weit auseinander fiel. Nach und nach sprach sich das Naturpädagogische Konzept herum und inzwischen haben wir auch mehrere Mädchen und 3- bis 4-Jährige aufnehmen können. Somit ist eine gute heterogene Gruppensituation entstanden und jeder kann vom anderen lernen.

Die Kinder sind sehr schnell zu einer Gruppe geworden. Sie lernten sich an Regeln zu halten, sich etwas zuzutrauen, Rücksicht auf kleinere oder langsamere Kinder zu nehmen und Konflikte verbal zu lösen. Sie lernten sich gegenseitig mit ihren Stärken und Schwächen zu respektieren. Das eine Kind kann besser laufen, das andere Kind kann besser sprechen. Der eine ist richtig stark, die andere sehr schlau und mit dem nächsten Kind kann ich am allerbesten kuscheln. Die Kinder differenzieren nicht nach Behinderung, seelischer Beeinträchtigung oder Armut der Familien. Die Kinder der „Düne“ grenzen nicht aus.

Bei Interesse einer Familie an einem Kindergartenplatz in der Düne, laden wir das Kind bei uns ein zu „hospitieren“. Bei einem Gesprächskreis im Anschluss, gemeinsam mit den Kindern der Gruppe, Erziehern und dem neuen Kind mit seinen Eltern, versuchen wir herauszufinden, ob das neue Kind sich wohl fühlen wird und was wir dafür tun können. Ob die Eltern hinter dem Konzept stehen und wann ein guter Zeitpunkt ist, in die Gruppe aufgenommen zu werden, wird ebenfalls kindgerecht erörtert. Eltern, Kinder und Erzieher/innen werden so von Anfang an zu Erziehungspartnern.

Durch das selbstverständliche, tägliche Erleben der Natur im unmittelbaren Umfeld der Lebenssituation der Kinder, entsteht eine Identifikation und Verbundenheit der Familien mit unserer vielfältigen Einrichtung und der inklusiven Zielsetzung für alle Kinder.

Die Kinder können:

  • ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben
  • die Natur unmittelbar und mit allen Sinnen erfahren und als ihre Lebensgrundlage begreifen lernen
  • durch den Aufforderungscharakter eigene Spielideen entwickeln und umsetzen und in ihrer Phantasie und Ausdauer im Spiel gefördert werden
  • Raum haben zum Spielen, Entdecken, Experimentieren und Lernen

Durch die positive Erfahrung ihrer selbst erleben alle Kinder eine gelungene Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und werden inklusiv auf die zukünftigen Anforderungen an sie vorbereitet.

 

Best-Practice: 
Ein Teil unserer Kinder kam schon stigmatisiert in unseren Kindergarten. Die Eltern erlebten oft die Ausgrenzung oder die negative Darstellung ihres Kindes. Kind und Eltern waren sehr angespannt bei der Aufnahme. Schon nach kurzer Zeit und Irritation, weil die Eltern das Kind plötzlich positiv erlebten, veränderte sich auch der Umgang und die Beziehung zwischen Eltern-Kind zum Positiven. Die Eltern bringen sich gerne mit Ihrer Arbeit oder mit Kleinigkeiten, wie Kuchen backen oder Handwerken ein. Die Gesichter der Kinder wirken bei Wind und Wetter glücklich und ausgeglichen. Konfliktsituationen sind eher selten und werden mit Hilfe der Erzieher gut untereinander gelöst.

Vertikale Reiter

Metainfo

Bundesland & Region
Bundesland: 
Niedersachsen
Stadt/Stadtteil: 
Wilhelmshaven
Laufzeit
Laufzeit: 
Oktober 2017
Schlagworte
Naturpädagogik
Kindergarten
Stand der Information
Stand der Information: 
18.05.18
Themenfeld
Kindertagesbetreuung