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Das Geschwisterhaus PETRA: Die beste Lösung im schlimmsten Fall

Quelle: pixabay

Das Geschwisterhaus des Projektes PETRA zielt auf eine eklatante Versorgungslücke in Deutschland. Seit Januar 2020 bietet diese bundesweit erste Einrichtung ihrer Art 10 Inobhutnahmeplätze für Geschwisterreihen ab 3 Kindern im Alter von 0-17 Jahren.

In  Deutschland  werden  jährlich  50.000  Kinder  in  Obhut  genommen  – sehr häufig sind es Geschwisterreihen, die schnellstens aus einer krisenhaften Situation befreit werden müssen. Kinder unter 6 Jahren werden in der Regel in Bereitschaftspflegefamilien untergebracht; für ältere Kinder und Jugendliche gibt es Inobhutnahmegruppen. Da sowohl stationäre Einrichtungen als auch Bereitschaftspflegefamilien regelmäßig an ihre Grenzen  stoßen, wenn ad hoc eine größere  Anzahl  an  Geschwisterkindern  aufgenommen werden muss, wurde das Konzept des „Geschwisterhauses“ entwickelt.  Mit  ihm wird der von  Deutschland  ratifizierten  UN-Kinderrechtskonvention entsprochen, die  besagt, dass  Geschwisterkinder  in  Notsituationen  gemeinsam  untergebracht  werden  müssen. Im schlimmsten Fall - der Trennung von Eltern und Kindern - haben die Kinder dann die Möglichkeit, die Zeit der Krise gemeinsam mit ihren Geschwistern zu bearbeiten und bestmöglich zu bewältigen. Darüber hinaus ist mit dem Geschwisterhaus auch das Anliegen verbunden, neue Wege in der Geschwisterbetreuung aufzuzeigen.  
Im Geschwisterhaus des Projekts PETRA werden 10 Plätze für Geschwisterreihen ab 3 Kindern vorgehalten. Das Haus ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr geöffnet. Der Versorgungsauftrag wird überregional wahrgenommen. Das Haus bietet die Möglichkeit, die Kinder in kleinen familiären und wohnlich eingerichteten Bereichen zu betreuen. Dazu stehen 11,5 Mitarbeiter*innen mit langjähriger Berufserfahrung und fachspezifischer Expertise, eine Hausleitung sowie weitere Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen (Sozialpädagogik, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychologie aber auch Medizin, wie etwa Säuglingsschwestern) zur fakultativen Unterstützung des Teams bereit. Die Kolleg*innen aus der Diagnose- und   Clearing-Abteilung unterstützen alle Einrichtungen des Trägers PETRA bei der Analyse und   Exploration der   Krisensituation und   helfen, gute Lösungsansätze zu entwickeln und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen.
Eine wesentliche  Prämisse  des  Trägers  liegt  auf  einer  möglichst kurzen  Verweildauer  der  Kinder  in  der Einrichtung  (maximal  8  Wochen)  und  einer  entsprechend  zügigen  Klärung  der  Anschlussperspektiven. Dafür erhält das Team zusätzliche Unterstützung durch zwei Psycholog*innen. Dennoch  ist  aufgrund  der  besonderen  Lebenssituation  der  Herkunftseltern die  Frage  nach einer späteren Rückführungsmöglichkeit für die Kinder nur selten leicht zu beantworten. Und auch weil es an Anschlussmöglichkeiten zur Unterbringung für Geschwisterreihen ab 3 Kindern mangelt, lässt sich die Zieldauer von 8 Wochen zur Klärung der Krise nicht immer einhalten.

Das Geschwisterhaus PETRA wurde im Jahr 2020 eröffnet und läuft unbefristet.

Das Haus soll ca. 60 Kinder pro Jahr beherbergen, der aktuelle Tagessatz liegt bei 365 Euro. Die Finanzierung erfolgt auf Basis des SGB VIII.

Die Arbeit im Geschwisterhaus PETRA wird fortlaufendend und systematisch durch die unabhängige Forschungsgruppe des Projekts PETRA evaluiert. Ein erster Bericht wird im Jahr 2023 vorliegen.

 

 

Best-Practice: 
Das Geschwisterhaus PETRA schließt eine Versorgungslücke. Das Projekt ist methodisch innovativ, insofern es interdisziplinär aufgestellt ist und dadurch ein optimales Hilfeangebot vorhält.
Download: 
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Bundesland & Region
Bundesland: 
Hessen
Stadt/Stadtteil: 
Darmstadt
Stand der Information
Stand der Information: 
18.01.21