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Chillen Inklusive - Entwicklung inklusiver Konzepte für Orte der offenen Jugendarbeit aus der Nutzerperspektive

Quelle: pixabay

Das Projekt richtet sich an Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Köln, die ganz selbstverständlich an den Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in ihrem Viertel teilnehmen wollen sowie an Einrichtungen, die sich diesen Kindern und Jugendlichen öffnen und dabei begleiten und beraten lassen wollen.

Ziel des Projekts ist der Zugang von Jugendlichen mit Behinderung in wohnortnahe Orte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Ausgehend von der Nutzerperspektive der Jugendlichen soll entwickelt und erprobt werden, wie Orte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aus eigenen Mitteln bzw. mit subsidiärer Unterstützung zu inklusiven Orten werden können, an denen auch Jugendliche mit Behinderung selbstverständlich willkommen sind. Hürden und Stolpersteine der inklusiven Entwicklung sollen in der Praxis identifiziert und mit Hilfe der Begleitung im Rahmen dieses Projekts modellhaft überwunden werden. Aus den Erfahrungen werden Beratungsbausteine entwickelt, mittels derer Träger und Fachkräfte der offenen Jugendarbeit  präventiv unterstützt werden können typische Schwierigkeiten einer inklusiven Entwicklung zu vermeiden.

Viele Orte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit erkennen zunehmend die Notwendigkeit einer inklusiven Entwicklung, haben aber die Befürchtung durch die Teilhabe von Jugendlichen mit Behinderung überfordert zu werden. Derzeit suchen die Träger auf dem Weg zur Inklusion vorwiegend die Unterstützung und Zusammenarbeit mit Behindertenverbänden oder -einrichtungen, mit denen sie gemeinsam spezielle inklusive Angebote auflegen. Nachteil dieses Konzepts ist die Gefahr, dass die Teilhabe der Jugendlichen mit Behinderung weiter der Expertise des Partners aus der Behindertenhilfe überlassen und nicht ins eigene Konzept integriert wird. Inklusion bleibt auf spezielle Angebote beschränkt. Erste Erfahrungen zeigen zudem, dass sich durch die „inklusiven Angebote“ oft entweder Jugendliche mit Behinderung oder Jugendliche ohne Behinderung nicht angesprochen fühlen. Das Projekt soll hier neue Wege aufzeigen, indem den Orten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aus der individuellen Nutzerperspektive heraus modellhaft aufgezeigt und mit Unterstützung und Beratung ermöglicht wird sich selbst inklusiv zu entwickeln.

Auf der anderen Seite zeigen Erfahrungen aus anderen Prozessen, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderung und deren Eltern keine oder nur eine sehr ungefähre Vorstellung von Offener Kinder- und Jugendarbeit haben und aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen und Kenntnisse nicht unbedingt von selbst dazu kommen, Angebote der Jugendarbeit generell bzw. der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu nutzen.

Das vorliegende Projekt möchte die Entwicklung inklusiver Jugendfreizeitangebote daher aus der Nutzerperspektive angehen. Die inklusive Entwicklung wird vom „Überbau“ eines theoretischen (sonder-)pädagogischen Inklusionsbildes getrennt und an die praktischen Erlebnisse und Erfahrungen mit den Jugendlichen (allen Jugendlichen) an den Orten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit geknüpft. Die inklusive Entwicklung wird somit ausgehend von den konkreten individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Jugendlichen mit Behinderung aufgebaut. So können im praktischen Erleben Hürden und Stolpersteine für Inklusion aufgedeckt und Wege für ihre Überwindung entwickelt werden, die auf andere Jugendeinrichtungen übertragbar sind.

Dabei werden die pädagogischen Prinzipien der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aufgegriffen und genutzt. Diese arbeitet traditionell mit der Betonung von Selbstverantwortung und Eigeninitiative der Jugendlichen. Im bewussten Zurücknehmen der pädagogischen Intervention wird den Jugendlichen Raum gegeben Verantwortung für ihre Freizeitgestaltung und für das Zusammenleben in der peergroup zu übernehmen. Zusammen mit dem Schaffen „elternfreier Räume“  werden die Jugendlichen so in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und ihrer Selbständigkeit gefördert und gefordert. Für Jugendliche mit Behinderung ist dies weitgehend ein neues Angebot, da behinderungsspezifische Jugendfreizeitangebote in der Regel durch eine besonders starke pädagogische Betreuung gekennzeichnet sind und auch im familiären Leben die Bindung an und die Betreuung durch die Eltern zumeist deutlich enger ist als bei Jugendlichen ohne Behinderung. Die Teilhabe an Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit eröffnet den meisten Jugendlichen mit Behinderung erstmals die Möglichkeit eigenaktiv im Zusammenspiel mit der jugendlichen peergroup ihre Selbständigkeit zu entwickeln und schafft so die Grundlage für eine altersgemäße Lösung vom Elternhaus.

In einem ersten Schritt werden Jugendliche insbesondere zwischen 10 und 14 Jahren für eine Teilnahme am Projekt und den regelmäßigen Besuch von Orten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gewonnen. Ausgehend von den Wohnorten der Jugendlichen werden Orte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit von öffentlichen und freien Trägern für die Teilnahme am Projekt gewonnen und die Teams bei der Entwicklung von inklusiven Perspektiven und eines ersten inklusiven Konzepts unterstützt. Die Jugendlichen werden dann in die Angebote der Orte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit integriert. Dabei werden Fachkräfte und Träger unterstützend begleitet, es werden im Einzelfall auftretende Schwierig­keiten bearbeitet und ggf. externe Unterstützung organisiert.

Das Projekt wird vom Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung der TH Köln wissenschaftlich begleitet, wobei die unterschiedlichen Perspektiven der Jugendlichen, der Fachkräfte in den Einrichtungen, der Eltern und der das Projekt durchführenden Sozialpädagog*innen berücksichtigt, analysiert und zusammengeführt werden.

Aus den Erfahrungen des Projekts und den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung werden Beratungsbausteine für die inklusive Entwicklung der offenen Jugendarbeit entwickelt, die Ergebnisse des Projekts werden auf einer Fachtagung vorgestellt und diskutiert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

(Judith Dubiski, 04.07.2017)

 

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